Namaste bedeutet so viel wie Guten Tag, Willkommen und Auf Wiedersehen. Hier im Sinne von Hallo zu verstehen. Ja, wir sind wieder da. Alles glücklich und wohlbehalten wieder angekommen.
Verluste: Helle Gesichtsfarbe, ursprüngliche Reisegestaltung mit einer Passüberquerung, eine Gore-Tex Jacke (verloren oder geklaut)
Gewinne: diverse Reisebekanntschaften aus Holland, Österreich, Australien, Nepal, England und Deutschland, die Erkenntnis wie Berge aussehen die über 8000 m hoch sind, 300 Dias und 100 Papierbilder, braune Gesichtsfarbe, die Erkenntnis
das ein Schlafsack der bis -15 °C geht, durchaus seinen Sinn hat und das Gefühl fünf Tage nicht gewaschen zu sein weil das Wasser in den Duschen eingefroren ist, das 4 Unterhosen für vier Wochen völlig ausreichend sind.
Wir haben nur ganz wenige Postkarten abgeschickt (am 22.02.2002), wenn Du keine bekommen haben solltest, aber bitte nicht untröstlich sein da so eine Postkarte auch seine Schwierigkeiten haben kann.
Die Postkarten wurden in einem Ort namens Tatopani dem Hotelmanager abgegeben, damit er sie dem Briefträger gibt (klassischer Touristenfehler und verschiedene Reisführer raten davon ab - die Briefmarken werden abgelöst und nochmal verkauft, die Karten weggeschmissen). Für den Fall das dieser Hotelmanager doch ehrlicher war: der Briefträger transportiert die
Post auf dem Rücken eines Maulesels (sozusagen der Lkw der Bergvölker Nepals, wobei es zwei Lkw-Modelle gibt, Maulesel und Rinder). Dieser Maulesel und sein Treiber braucht mind. 2-3 Tagesmärsche bis zur nächsten Poststation. Dort wird die Postkarte in einen Überlandbus geladen, der für die Strecke Pokhara - Kathmandu (200 km) ca. 7 Stunden braucht wenn nicht gerade Generalstreik ist und sowieso kein Bus fährt oder die Maoisten die Poststation gesprengt haben oder der Postsortierer die Briefmarke ablöst und weiterverkauft oder die Armee die
Postkarte findet und verbrennt weil sie denkt es wäre ein Pamphlet der Maoisten oder oder oder ...
Sollte die Karte in Kathmandu gelandet sein, muss sie noch an argwöhnischen Zollbeamten vorbei (Maoistenpost?) und einen 13 Stunden Flug in Richtung Heimat absolvieren.
ach so, ich bin mir unsicher ob mir die Frau die richtigen Briefmarken verkauft hat, weil sie mein Englisch kaum
verstehen konnte, kann sein das die Karte unterfrankiert ist ...
Der Urlaub bestand im wesentlichen aus fünf Teilen:
1. Anflug über Berlin - Amsterdam - Tankstop in den Vereinigten Arab. Emiraten
und Ankunft in Kathmandu: keine besonderen Vorkommnisse
2.2-3 Tage Aufenthalt in Kathmandu - der , durch die neuen Eindrücke überforderte deutsche Tourist Martin M. aus L. ist kurz davor 25 von ca. 30 Taxifahrern bei seiner Ankunft am Flughafen zu erschlagen um einen besseren Überblick über die lautstark angepriesenen Taxi- und Hotelangebote zu gewinnen.
Linksverkehr, ein Auto in Kathmandu muss mind. 15 Jahre alt sein oder ein kaputten Auspuff oder einen verrückten Fahrer haben. Hier treffen meistens mehrere Antworten zu. Die Straßen sind an aneinander gereihten Schlaglöchern zu erkennen, die wenigen Ampeln haben reinen Informationswert, verkehrsregelnde
Polizisten dienen zur Dekoration. Alle Autos haben funktionierende Hupen, die sämtlich in einer großangelegten Testreihe auf Dauerbelastung geprüft werden.
Der Engländer hat für die ersten Tage in dieser Stadt das Wort "awful" erfunden. Wir sind froh, als wir wieder raus sind. Das Doppelbettzimmer hat übrigens pro Nacht 10 US-Dollar gekostet.
3. Versuch einer Umrundung des Annapurna-Massivs, ca. 17 Tage: Ankunft mit dem Bus in Pokhara (Startort unserer Wanderung). 15 von 20 Taxifahrer droht unbemerkt der Tod durch Erschlagen. Am nächsten Tag startet die zweiköpfige Expedition mit der ersten Begegnung mit einer Maultierkarawane (der noch viele folgen werden). Merke: Wenn dir eine Maultierkarawane begegnet - immer zur Hangseite ausweichen, niemals zur Talseite! Der Weg geht über steinige, teilweise geröllartige Pfade meistens in der Breite eines bepackten Maultieres. Wir sind, trotz vielfacher Überredungsversuche ohne Führer unterwegs. Dem richtigen Pfad zu folgen ist meistens nicht schwer. Sollte es Alternativen geben
ist folgendes zu berücksichtigen:
a) "Following the donkey-shit! " das ist der Hauptweg,
b) Der Weg geht meistens nach oben (Höhendiagramm: 1200 m - nach 2 Tagen 2800 m - nach einem Tag 1300 m - in 6 Tagen bis auf 4550 m - dann folgte unser ungewollter Abstieg auf der gleichen Route zurück)
c) meistens englisch-unkundige Nepalis weisen einem hoffentlich die richtige Richtung.
Der, auf der Route liegende, Ort Tatopani (eigentlich nepalesisch für "heißes Wasser", ein unterwegs getroffener Österreicher prägte den Ausspruch "Please give me a bottle with tato, not to tato, but pani"), zeichnet sich durch zwei wunderbare Eigenschaften aus, Orangen- und Zitronenbäume (Orangenbäume, Zitronenbäume) und eine heiße, natürliche Quelle mit Swimmingpool in Badewasserwärme.
Auf dem Weg liegt immer rechts das Annapurna-Massiv mit seinen verschiedenen Gipfeln und links die die etwas kleineren Hügel (nur 5-7000 m hoch). Weiter oben liegt Jomosom. Dieser Ort hat ein Flughafen und man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, das jedes Jahr nach der Regenzeit der Lehm auf der Landebahn wieder glatt gezogen werden muss. Kurz danach zum ersten Mal Schnee, inzwischen haben wir eine Höhe von knapp 3000 m erreicht.
Hier liegt Kagbeni. Die zumeist religiösen Einheimischen haben sehr vielfältige Möglichkeiten sich das Beten zu erleichtern: eine aufgehängte Gebetsfahne flattert im Wind und schon ist die Kommunikation mit den Göttern in Gang, Gebetsmühlen, meistens an praktischen Stellen aufgehängt, werden mit der rechten Hand bewegt und schon kann man sich zusätzlich anderen Dingen zuwenden. Auf dem buddhistischen Haupttempel von Kagbeni steht eine Gebetsmühle, die durch zusätzlich angedengelte, ausgediente Suppenkellen mit Windenergie angetrieben wird. Der vorläufige Höhepunkt praktisch umgesetzter Religiösität. Der Tag hat
schließlich nur 14 Stunden und beginnt (auch für den Touristen) so gegen 7.00 Uhr morgens. Um 18.00 ist die Sonne endgültig weg und der müde Wanderer denkt zum ersten Mal an sein Bett. Essen und schlafen gehen gegen 20.30 Uhr. Fernsehen Fehlanzeige. Generell erst seit 2 Jahren vorhandener Strom fällt auch gerne um
die Zeit aus, meistens an den Tagen, an denen man seine Taschenlampe im Rucksack vergessen und nicht in den Gast- und Speisenraum (Gastraum, Speisenraum) mitgebracht hat. Dafür gibt es dort beheizte Tische an denen kalte Füße wieder auf normale Betriebstemperatur gebracht werden können. Alle Gästehäuser bieten "24 h hot and
cold showers" an. Der Tourist will das so. Leider ist meistens die Definition von hot eher mit "not really cold" zu übersetzen. "Really hot showers" sprechen sich wie Lauffeuer unter den Trekkern um, bis das Reinigungsbedürfnis nach einigen Tagen nachlässt. Nur der eigene Dreck hält warm. Ab Kagbeni aufwärts
mussten wir auch hierüber nicht mehr nachdenken, das Wasser war komplett eingefroren. Die körperliche Reinigung beschränkte sich auf morgendliches Zähneputzen und abendlichen Betthupferl aus der Schnapspulle um wenigstens die Mundflora in Ordnung zu halten.
Die für europäische Mägen ungewohnten Speisen wurden zumeist gut, mitunter aber mit unangenehmen Nebenwirkungen verarbeitet. Die täglich eingenommene Knoblauchsuppe ersparte uns wahrscheinlich größere Schwierigkeiten wie Richtungswechsel und/oder ungewollte Beschleunigung bei der Verdauung dieser wirklich schmackhaften Gerichte wie Dal Bhat und Momos. In vielen Gasthäusern werden auch bekannte Gerichte wie Pizza oder Lasagne angeboten. Hierbei handelt es sich jedoch meistens um sehr eigenwillige Interpretationen des jeweiligen Kochs.
Höhepunkt in mehrfacher Hinsicht sollte die Überquerung des höchsten Passes (Thorong La Pass 5400 m) werden. Die beiden Expeditionsmitglieder schlossen sich mit einer ebenfalls zweiköpfigen, weiblichen Müncher Fraktion zusammen um sich
gegenseitig Schutz und Zusammenhalt zu geben.
Die Überquerung umfasste ca. 8-9 Stunden steilen Anstieg und 3 Stunden Abstieg ohne Unterkunftsmöglichkeit und startete, mit Stirnlampen auf dem Kopf um 1.30 Uhr morgens. Der Abbruch erfolgte nach anderthalb Stunden Aufstieg als Team- und
Vernunftentscheidung mit folgenden Gründen:
a) 50 cm Schnee
b) anhaltendes Schwächeln bei einer bayrischen Kollegin
c) eingefrorene Trinkwasservorräte.
Schweren Herzens haben wir umgedreht und beschlossen den Weg auf gleicher Strecke zurückzulaufen.
Der 30. Geburtstag meiner Lieblingsbegleiterin konnte somit zu ihrem Leidwesen nicht mit dieser Überquerung gefeiert werden. Als Ersatz wurden ihr eine Schokoladentorte, ein Stück des Weges nicht zu Fuß, sondern per Pferd und einen Flachmann mit Marpha
Apple Brandy angedient.
4. Sightseeing around Kathmandu: Besuch diverser Kultstätten des Hinduismus, Buddhismus und seiner Abspaltung tibetischer Buddhismus, älterer Städte wie Patan, Bhaktapur und Boddhanat bei schönstem Wetter und wieder in deutlich wärmeren Gefilden. Merke: Sollten Sie sich nicht sicher sein ob die vor in stehende Kultstätte diesen Religionen angehört, gehen Sie lieber im
Uhrzeigersinn drumherum, bevor sich einer verletzt fühlt.
Zeit für den Kauf von Souvenirs, außerdem eine Vielzahl weiterer Taxifahrten.
Wie verhandelt man richtig mit einem Fahrer?
"Was kostet die Fahrt nach Soundso? "
"100 %"
"Ich habe aber gehört 40 %"
"Kann nicht sein, ich muss Auto bezahlen, Frau und Kinder ernähren"
(Der Partner geht inzwischen vom Auto weg und sagt "Dann gehen wir halt zu Fuß" wobei die Sprache hierbei völlig egal ist)
Der Blick des Fahres flackert hin und her, und der Preis geht innerhalb von
Sekunden auf 60 %. Touristen und Fahrer sind zufrieden, ein Einheimischer hätte 40 % bezahlt.
Das Hotelzimmer in Kathmandu kostete übrigens bei unserem zweiten Aufenthalt nur noch 4 US-Dollar fürs Doppelbett pro Nacht.
5. Rückflug: Details unwesentlich. Das Jetlag macht übrigens keine Schwierigkeiten. Aber man geht in den ersten Tagen zu Hause immer noch um 21.00
Uhr ins Bett.
Wer jetzt glaubt, wir hätten keinen schönen Urlaub gehabt der irrt.
Hier sind noch ein paar Fotos zu finden, jedoch nur eine schwache Auswahl von
100 Fotos und 270 Dias:
Gruß an alle
Martin

