PER EINSCHREIBEN MIT RÜCKSCHEIN AN
Bayerischer Rundfunk (BR)
Redaktion Ökologie / GLOBUS
z. Hdn. Herrn Stumpf / Herrn Dr. Lehner
Floriansmühlstr. 60
80939 München 26. März 2002 Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Interesse las ich auf der Website
einen Hinweis, dass Sie beabsichtigen in Ihrer nächsten GLOBUS-Sendung einen Beitrag über Energieeinsparung, Dämmstoffe und das sog. "Lichtenfelser Experiment" zu senden.
Auf der ARD-Website Programm. das-erste.de (>zur Auswahl >03.04. >Globus) ist hierzu nun seit einigen Tagen folgende hochinteressante Ankündigung zu finden:
Zwang zum Energiesparen: Pfusch am Bau?
Die neue Energie-Einspar-Verordnung des Bundes will den Heizenergiebedarf um 30 Prozent senken. Das Regelwerk zwingt viele Hausbesitzer dazu, ihre vier Wände nachträglich gegen Wärmeverluste zu dämmen. Doch Experten monieren, dass Dämmplatten das Sonnenlicht nicht mehr an die Mauern lassen und zudem den Luftaustausch verhindern. Die Folge: Schimmel in der Wohnung. Für Bauphysiker ist das schlicht Pfusch, für Mediziner ein erhöhtes Allergierisiko. "Globus" zeigt, wie man Energie und Geld besser sparen kann.
Die Art und Weise, wie Sie diesen Beitrag ankündigen und damit versuchen, dem nunmehr über 20 Jahre alten Thema sog. "Experten" gegen Wärmedämmung neues Leben einzuhauchen lässt vermuten, dass Sie sich davon eine große Zuschauer-Resonanz versprechen. Die wird Ihnen - darauf gehe ich jede Wette ein - sowohl unter den Häuslebauern als auch unter den Bauphysikern gewiss sein. Aber wahrscheinlich weniger im positiven Sinne.
Denn bereits Ihre Ankündigung lässt erkennen, dass Sie es hier mit Ihrer journalistischen Pflicht Quellen sauber zu recherchieren offensichtlich nicht so genau genommen haben.
Die Energieeinsparverordnung zwingt nämlich nicht einen einzigen Hausbesitzer dazu, seine Wände nachträglich zu dämmen! Diese Behauptung ist schlicht falsch. Bitte lesen Sie die Energieeinsparverordnung doch wenigstens, bevor Sie daraus zitieren!
Sollten Ihre restlichen Recherchen zu Ihrem Beitrag und insbesondere Ihre Überprüfung der Glaubwürdigkeit Ihrer Informanten von gleicher journalistischer Qualität sein, so ist zu befürchten, dass Sie GLOBUS einen journalistischen Hitler-Tagebuch-Super-GAU allererster Güte bescheren wollen.
Den hat GLOBUS meiner Meinung nach jedoch nicht verdient. Denn das Privileg, sich aus Gründen und / gewollt schlampiger Recherchearbeit der Unglaubwürdigkeit und Lächerlichkeit preiszugegeben steht ausschließlich der Bildzeitung zu. und dieses Privileg sollten Sie ihr nicht streitig machen.
Obwohl ich grundsätzlich nicht der Meinung bin, dass es Aufgabe Ihrer Zuschauer ist, neben dem pünktlichen Zahlen von Fernsehgebühren nun auch noch die Recherchearbeit für Sie zu übernehmen, habe ich in diesem speziellen Fall eine Ausnahme gemacht.
Daher finden Sie im Folgenden ein paar interessante Hintergrundinformationen zum Thema, die Sie bei Ihrer Recherche hoffentlich noch nicht übersehen haben.
Aber bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Die Hintergrundinformationen sollen keineswegs dazu dienen, die Ausstrahlung eines Beitrags zum Thema sog. "Experten" gegen Wärmedämmung zu verhindern. Im Gegenteil. Wenn Sie das nach vollständigem Lesen dieses Briefs immer noch für angebracht halten, senden Sie ihn. Sie sollten sich jedoch bewusst sein, welchem Risiko Sie sich beim Ignorieren der Hintergrundinformationen aussetzen.
Wenn z.B. all die Häuslebauer beginnen würden, den Bayerischen Rundfunk mit Schadenersatzprozessen zu überziehen, wegen Verbreitung nachweislich falscher Tatsachen bzgl. Gebäudedämmung. Oder wenn gar der Staatsanwalt den Bayerischen Rundfunk wegen Aufforderung zum Gesetzesbruch belangen würde. Und wenn sich dann auch noch herausstellen würde, dass Ihnen bereits vor Ausstrahlung Ihres Beitrags entsprechende Informationen über das sog. "Lichtenfelser Experiment", Ihre sog. "Experten" und deren sog. "Erkenntnisse" sowie über die Glaubwürdigkeit Ihrer sog. "Experten" vorlagen. Da wäre die Bezeichnung GAU wohl mehr als angemessen.
Aber vielleicht ist es ja noch nicht zu spät und es ist mir mit dieser dramatisch überspitzten Einleitung gelungen, den kritischen Wissenschafts-Journalisten in Ihnen wachzurütteln und dazu zu bewegen, sich die Hintergrundinformationen mal näher anzuschauen. Ich habe versucht, sie in eine leicht verständliche Form zu bringen, damit einer beliebigen Berücksichtigung in Ihrem Beitrag nichts im Wege steht.
Falls Sie jedoch beabsichtigen, die Hintergrundinformationen aus Quoten-Gründen oder sonstigen Gründen ignorieren zu wollen, sollten Sie sich bereits jetzt über einen neuen Titel für den Beitrag Gedanken machen. Mein unverbindlicher Titelvorschlag würde in diesem Fall lauten:
Zwang zur "Quote": Recherche-Pfusch beim Bayerischen Rundfunk?
Mit freundlichen Grüßen
Dipl. -Ing. Martin Reick
Anlage
Hinweis: Kopien dieses Schreibens erhalten auch die GLOBUS-Redaktionen der anderen Rundfunkanstalten. Weiterhin behalte ich mir vor, das vorliegende Dokument entsprechenden Wissenschafts- und Baufachmedien zuzuleiten sowie in elektronischer Form auf themenbezogenen Websites im Internet zu veröffentlichen.
